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Briefesammlung: "Mein lieber Drubb..."

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Mallengliel
(@mallengliel)
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Maiglockli Honighain, ein Hobbitmädchen aus dem Auenland, schreibt fleissig Briefe an ihren Bruder Drubb, seit sie ihr Eltern-Smial verlassen hat. Ihre Familie baut Teepflanzen an und ihr Bruder ist zudem als Imker tätig. 
Während sie ihrer Lehre zur Heilerin nachgeht und dabei die Welt nach neuem Wissen absucht, entdeckt sie viele Dinge, die es wert sind, in einem Brief festgehalten zu werden.

Im Folgenden werden einige dieser Briefe dargestellt.

 


alle Beiträge dieses Themas betreffend: Copyright by Maiglockli Honighain

 

Die verwendeten Schriftarten sind ElvenCommonSpeak und Viner Hand ITC.
Die verwendeten Hintergründe lassen sich unter diesen Links finden:
sauberes Papier
dreckiges Papier
verregnetes Papier

Die von mir verwendeten Lore-Quellen sind folgende: The Hobbit von J.R.R. Tolkien, The Lord of the Rings von J.R.R. Tolkien, The Silmarillion von J.R.R. Tolkien, The complete History of Middle-Earth von J.R.R. Tolkien und C. Tolkien, Das grosse Elbisch Buch von Helmut W. Pesch

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Themenstarter Veröffentlicht : 13/05/2021 2:33 pm
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Mallengliel
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1. Brief 8 2

 

2. Wedmath (August)

Mein lieber Drubb,

nun bin ich also in Michelbinge. Es ist recht schön hier. Ziemlich groß, oh ja. Ich wurde gleich freundlich empfangen und hatte gestern meinen ersten Tag. Mir wird hier alles hervorragend erklärt. Alle sind sehr lieb. Leider wissen sie manchmal nicht die Antwort auf meine Fragen, wenn ich zu sehr ins Detail gehe, aber das macht nichts. Ich bin mir sicher, irgendwann treffe ich schon noch jemanden, der mir all diese Fragen beantworten kann. Bis dahin geht es mir hier recht gut. Ich bin erst mal im Adler und Kind untergekommen, werde mir bald aber ein Zimmer mit einem Hobbitmädchen namens Lavina teilen, sie ist die Tochter einer der Heilerinnen und nimmt mich großzügiger weise bei sich auf. Heute habe ich nicht so viel zu berichten… Ganz schön kurz für den ersten Brief, nicht? Aber keine Sorge, es werden sicherlich längere kommen! Und ich verspreche Dir, ich werde Dir wenigstens ein Mal pro Woche schreiben! Mach Dich also auf so Einiges zum Lesen gefasst, hihi!

Jedenfalls hoffe ich sehr, dass es euch allen gut geht. Ich komme an meinen freien Tagen zu Besuch und wenn Vater und Du die Waren auf den Markt bringt, kann ich sicherlich auch kurz zu euch kommen. Bitte grüße Mutter und Vater herzlich von mir.

Deine Maiglockli.

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Themenstarter Veröffentlicht : 13/05/2021 2:34 pm
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7 20.Bockland

 

20. Nachlithe (Juli)

Mein lieber Drubb,

ich bin in Bockland angekommen und wie immer ist das hier gleich eine ganz andere Gegend. Ein Grund dafür ist eindeutig dieser Alte Wald. Er ragt bedrohlich hinter dem Hohen Hag hervor und man erkennt schon von Weitem, dass die Bäume riesig und uralt sind. Ich habe heute jedenfalls etwas Interessantes über den Alten Wald erfahren. Dort soll ein Wesen leben, das so gut wie alles weiß, auch ganz viel über Heilkunst und all solche Sachen. Es soll angeblich gelbe Stiefel und eine blaue Feder an einem Hut tragen. Nun, ich denke, ich werde morgen in den Wald gehen und dieses Wesen suchen.

Übrigens: die Bockländer sind wirklich nicht so schlimm. Im Grunde sind es ganz normale Leute, sie essen und feiern sehr gern. Ja gut, sie mögen das Wasser sehr, aber das tun auch nicht alle! Sie sind sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Natürlich haben sie auch mehr mit den Menschen aus Bree zutun, das merkt man ihnen an, aber so richtig stören tut es mich nicht. Und das Brandyschloss ist ein wirklich fantastischer Anblick! Vor allem jetzt in der Nacht, wenn all die Fenster leuchten. Im Inneren ist es sicherlich sehr gemütlich. Dort verläuft man sich sicher ständig, hihi!

Ich hoffe, dass bei Dir alles gut ist. Wie steht es um die Pflanzen? Wird die Ernte gut? Ich hoffe es sehr! Bitte bestelle Mutter und Vater liebe Grüße. Ich vermisse euch alle sehr!

Deine Maiglockli.

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Themenstarter Veröffentlicht : 13/05/2021 2:34 pm
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21. Nachlithe (Juli)

Mein lieber Drubb,

heute Morgen bin ich in den Alten Wald gegangen. Ich habe etwas nördlich von Bockland, unterhalb der Brandyberge, den Anfang gemacht. Da ich gehört habe, dass die Bäume im Wald irgendwie… leben sollen, habe ich mich am Rand vorgestellt und darum gebeten, dieses Wesen suchen zu dürfen. Dann habe ich angeboten, auf meinem Weg ein paar Lieder zu spielen. Auf meine kleine Rede kam natürlich keine Antwort. Also bin ich in den Wald rein gegangen. Ich war ganz nervös. Ich habe auf der Flöte ein paar fröhliche Lieder gespielt, bis ich zu einem freien Hügel kam, der mitten in den Bäumen aufragte. Dort machte ich Rast und sah mich etwas um. Von Weitem konnte ich durch das Dickicht eine große leere Fläche erkennen. Das musste diese Feuerlichtung sein, auf der vor vielen Jahren die angreifenden Bäume zurückgeschlagen worden waren. Ich blickte um mich und fragte mich, ob die Bäume wirklich so böswillig sein konnten. Nach einer schönen Pause setzte ich meinen Weg durch den Wald fort, in Richtung Süden. Ich dachte mir, dass ich am besten der Weidenwinde folgen sollte, um dieses Wesen zu finden. Während ich ging, spielte ich wieder Lieder. Es war seltsam, manchmal dachte ich, dass ein Pfad, der vorher weiter links war, nun mehr zur rechten Seite führte, oder dass die Bäume vorher an einer Stelle dichter gestanden hatten, wo nun ein Weg frei war. Nun, ich konnte nichts an den Wegen ändern und ging einfach immer weiter. Irgendwann erreichte ich die Weidenwinde. Die Sonne stand schon tief am Himmel und so entschloss ich mich, mein Lager aufzuschlagen. Ich suchte mir eine trockene Stelle und überlegte, ob es eine so gute Idee ist, in diesem Alten Wald ein Feuer anzuzünden. Sicherheitshalber ließ ich das sein. Jetzt im Sommer ist es ja sowieso lange hell, dachte ich mir, also habe ich noch etwas gegessen, dem Wald eine gute Nacht gewünscht, und mich dann schlafen gelegt.

Ich bin gerade in der Nacht aufgewacht. Sicherlich vom Mond, das Licht fällt im Moment direkt auf mich. Oder durch diese Geräusche. Es ist ein schreckliches Knarren, ein ganz furchtbares Ächzen, das von überall zu kommen scheint. In der Ferne höre ich einen Wolf heulen. Vielleicht ist er auf diesem kahlen Hügel. Das Wasser ist seltsam still. Ich fühle mich nicht wohl. Ich fühle mich beobachtet. Ich habe Angst, einzuschlafen. Hoffentlich ist der Tag nicht mehr weit entfernt… Nun werde ich einen Happen essen, ganz leise. Ich fürchte mich davor, irgendwelche Dinge auf mich aufmerksam zu machen.

Es ist ungewöhnlich kalt.

Gerade habe ich einen seltsamen Schatten gesehen. Ich weiß nicht, was es war. Genau genommen will ich es auch gar nicht wissen.

Endlich geht die Sonne auf! Der Himmel zwischen den Blättern wird schon heller! Ich bin müde, aber mir geht es gut. Wenn ich aus diesem Wald raus bin, werde ich erstmal lange schlafen. Jetzt mache ich mich auf, entlang der Weidenwinde, und suche weiter nach dem Wesen.

Hoffentlich geht es Dir gut, lieber Drubb! Und auch Mutter und Vater. Ich werde euch alle bald wieder besuchen kommen, versprochen.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 13/05/2021 2:35 pm
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23. Nachlithe (Juli)

Mein lieber Drubb,

gestern war ein furchtbarer Tag. Ich bin der Weidenwinde gefolgt, immer tiefer in den Wald hinein. Sie windet sich wirklich hübsch durch die Weiden, die an ihren Ufern stehen. Der Weg am Wasser ist ziemlich matschig und die Wurzeln erschweren das Vorankommen. Ich wollte mich aber nicht vom Ufer entfernen, um den Weg nicht zu verlieren. Während ich so ging, spielte ich wieder ein paar Lieder auf der Flöte. Ich hoffe, dem Wald hat meine Musik gefallen. Bald bin ich zu einer sehr großen, sehr alten Weide gekommen. Meine Müdigkeit von der Nacht wuchs rasant an und ein Stückchen weit entfernt von dem Baum war ein schönes Plätzchen zum Ruhen. Ich grüßte die Weide und bat wieder um Erlaubnis, etwas bleiben zu dürfen. Ich spielte dem Baum ein schönes ruhiges Lied vor und machte es mir dann gemütlich. Ich war so müde, dass ich sofort einschlief. Als ich aufwachte, es war sicherlich erst eine gute halbe Stunde vergangen, hatten sich Wurzeln um meine Beine gelegt! Sie waren einfach drüber gewachsen! Ich versuchte vorsichtig, mich unter ihnen vor zu ziehen, aber sie wurden fester und enger! Ich bekam große Panik! Ich habe die Wurzeln und die Weide angefleht, mich doch loszulassen, und dann würde ich auch viele Lieder spielen, wenn der Baum das hören mochte. Die nächsten Momente vergingen wie eine Ewigkeit. Dann endlich gaben die Wurzeln mich frei. Ich nahm sofort Abstand von dem Baum und hielt mein Versprechen, ich spielte fast zwei Stunden lang. Dann verabschiedete ich mich und rannte eilig weg vom Wasser und in den Wald. Natürlich hatte ich mich sofort verlaufen. Bald erreichte ich wieder die Weidenwinde und nicht weit von mir entfernt lagen ein paar Felsen im Wasser, durch die man den Fluss überqueren konnte. Der Weg auf der anderen Seite sah freier und komfortabler aus, also bemühte ich mich vorsichtig zum anderen Ufer. Dort konnte ich der Weidenwinde eine ganze Weite gut folgen, bis Bäume den Weg versperrten. Ich musste tiefer in den Wald, weiter nach Süden. Ich dachte mir, ich würde das Wasser schon bald wieder finden. Als die Dunkelheit herein brach, hatte ich es noch immer nicht wieder gefunden. Diese Kälte breitete sich wieder aus, so wie in der Nacht davor. Ich suchte mir rasch einen Schlafplatz unter ein paar Felsen und versuchte es mir irgendwie gemütlich zu machen. Ich hatte den ganzen Tag kaum etwas gegessen, stell Dir das vor! Und viel übrig hatte ich auch nicht mehr. Ich wusste nicht, wie lange ich noch in diesem Wald herumirren sollte. Gab es dieses Wesen vielleicht gar nicht? Aufgeben wollte ich aber nicht. Ich legte mich bald schlafen. In der Nacht wachte ich wieder auf. Neben dem Knarzen und Ächzen war da nun etwas anderes. Ein grässliches Geräusch. Es war eine Art Krabbeln und Schnippen und Klakken, ich weiß nicht, was genau es war. Ich sah mich um. Erkennen konnte ich nichts. Für diese Nacht blieb ich aber lieber auch wach. Als dann das Morgenlicht kam, sah ich um mich herum in den Bäumen viele tausende Netze hängen. Spinnennetze! War es das, was ich in der Nacht gehört hatte? Ich beeilte mich schnell weg von diesen Netzen, in Richtung Norden. Dann begann ich bald wieder, Lieder zu spielen. Ich war sehr müde und kam nur langsam voran. Irgendwann dann, um die Mittagszeit, sah ich etwas Blaues durch das Dickicht aufleuchten, und kurz darauf hörte ich Gesang. Jemand sang zu meinem Flötenspiel! Ich versuchte dem Gesang zu folgen und stolperte ein paar Mal über große Wurzeln, bis ich der Länge nach auf die Nase flog. Als ich versuchte, aufzustehen, hielt mir ein Mann mit braunem Bart und einem strahlenden Lächeln die Hand hin, um mir wieder auf die Beine zu helfen. Als ich wieder stand und mich vorgestellt hatte, sah ich eine blaue Feder an einem Hut und gelbe Stiefel. Das musste dieses Wesen sein! Ich erklärte ihm gleich, warum ich im Wald war. Der Mann, der sich mir als Tom Bombadil vorgestellt hatte und vergnügt in Reimen sprach, zeigte mir den Weg zu seinem Haus, aus dem ich Dir jetzt schreibe. Es ist ein sehr schönes Haus, sehr heimelig und gepflegt und ganz anders als der Alte Wald. In dem Haus drin, umgeben von Wasserschalen mit Wasserblumen darin, traf ich die Frau von Tom. Sie heißt Goldbeere, hat wunderschönes blondes Haar und Tom nennt sie immer Flusstochter. Die beiden scheinen sich wirklich sehr zu lieben, Tom macht ihr immer Komplimente und sie spricht auch nur in den höchsten Tönen von ihm. Goldbeere und Tom haben mich zum Essen eingeladen und mir viel erzählt. Der Tom spricht in Rätseln, aber seinen Grundgedanken verstehe ich irgendwie. Er liebt die Natur wirklich. Nicht nur die Natur, alles scheint er zu lieben, das Leben und die ganze Welt. Er wirkt so unbekümmert, aber ich glaube, er tut sehr viel für alle, die Hilfe benötigen. Ich war nur kurze Zeit bei den beiden, konnte aber viel lernen. Goldbeere hat mir auch eine interessante Geschichte erzählt über Entfrauen. Das sind die weiblichen Waldhüter aus alter Zeit. Goldbeere sagte, dass acht dieser Entfrauen vor langer Zeit in den Alten Wald gekommen und hier geblieben sind, um den Wald zu stärken und zu beschützen. Sie meinte, dass überall im Wald, gut versteckt, acht sonderbare weiße Blumen stehen, welche die Stellen markieren, an denen die Entfrauen Teil des Waldes geworden waren. Dann hat sie mir von jeder der Entfrauen erzählt. Ob das alles stimmt? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass all das die Wahrheit ist. Wie diese Entfrauen wohl ausgesehen haben? Vielleicht hatten sie ein Haar aus Blumen, wenn diese Blumen jetzt überall im Wald zu finden sind. Tom hat mir auch Geschichten erzählt. Er hat mir erzählt, dass der große alte Baum an der Weidenwinde der Alte Weidenmann ist, ein mürrischer fremdenfeindlicher Baum, der versucht, allen Zweibeinern das Leben schwer zu machen. Tom meinte auch, dass er immer mal versucht, den alten Baum aufzumuntern. Er hat gelacht, als ich ihm von meiner musikalischen Darbietung berichtete. Tom lacht überhaupt sehr viel. Seine Augen lächeln immer und er hüpft mehr durch die Gegend als dass er geht. Dieses sonnige Gemüt ist sehr erfrischend. Wenn er wirklich so alt ist, wie ich es in den Geschichten gehört habe, dann frage ich mich, ob so die wahre Weisheit aussieht. Mit diesem strahlenden Lächeln und immer einem Lied auf den Lippen. Man hört ja immer, dass die Elben auch sehr weise sein sollen. Ist der Großteil der Elben ähnlich fröhlich und vergnügt wie Tom? Das möchte ich zu gern herausfinden! Morgen werde ich weiter reisen nach Norden, nach Bree. Kurz vor den alten Hügelgräberhöhen gibt es laut Tom eine Senke, die zur Straße nach Bree führt. Ich freue mich, bald aus diesem Wald zu sein. Vielleicht besuche ich Tom und Goldbeere irgendwann mal wieder. Ich hoffe, Dir und Mutter und Vater geht es gut.

Deine Maiglockli

 

 

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Themenstarter Veröffentlicht : 16/05/2021 2:49 pm
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26. Nachlithe (Juli)

Mein lieber Drubb,

In meinem letzten Brief schrieb ich, dass ich nach Bree gehen wollte. Das war der Plan. Nun, vom Haus des lieben Tom aus habe ich auch die Senke südlich der Hügelgräber gefunden. Ich wollte mich gleich auf nach Bree machen, aber da bemerkte ich ein Schluchzen an einem Felsen… Dort hatte ein jemand sein Lager aufgeschlagen, es war ein großes Zelt dort aufgestellt mit einem Lagerfeuer. Weit und breit war jedoch niemand zu sehen, außer einem kleinen Menschenjungen. Naja, klein war er nicht gerade, er war einen halben Kopf größer als ich… Der Junge, mit Namen Erdfried, erzählte mir, dass er hier auf seinen Vater wartete, der in den Hügelgräbern nach Relikten und alten Dingen suchte und bereits seit zwei Tagen nicht zurückgekehrt war. Ich dachte mir: schlimmer als der Alte Wald konnten die Höhen wohl kaum sein. Also versprach ich Erdfried, seinen Vater zu suchen. Zum Glück wusste der Junge, zu welchem Hügelgrab sein Vater gegangen war und das war auch gar nicht so weit weg. Ich machte mich also auf den Weg, hoch zu den Höhen. Oben angekommen sah ich gleich all die großen Grabsteine. Weiter unten in kleinen Tälern lag dichter Nebel, aber so weit oben schien das Sonnenlicht auf die Grabsteine. Ich sprach ein paar Gebete und bat um Erlaubnis und entschuldigte mich gleich für mein Stören und dann ging ich auf einem kleinen Pfad zu dem Hügelgrab. Zwischen den Steinen sah ich ab und zu eine Ratte vorbeihuschen. Manchmal dachte ich, etwas anderes gesehen zu haben. Aber dann war es doch immer nur eine Ratte. Als ich am Grab ankam, war es bereits Nachmittag. Bei all den Gräbern hatte ich den ganzen Tag über keinen wirklichen Appetit gehabt und rastete vor dem Grab nur kurz, um etwas zu essen. Dann suchte ich die Umgebung nach dem Mann ab. Ich hatte ein seltsames Gefühl. Eigentlich war das ja nur ein uralter Friedhof, aber irgendwie auch nicht… Ich wollte den Vater des Jungen jedenfalls so rasch wie möglich wieder finden. Leider hatte ich vor dem Grab keinen Erfolg. Die Sonne ging unter und ich schlug unter einem Felsen auf einer kleinen Anhöhe, oberhalb des Grabes, mein Lager auf. Als dann der Mond am Himmel stand, begann ich plötzlich von überall her ein abscheuliches Heulen zu hören. Es klang nicht wie das Heulen von Wölfen, es klang irgendwie viel schrecklicher. Glücklicherweise kam das Heulen von weiter weg, aber ich konnte in dieser Nacht dennoch kaum schlafen, ich war eigentlich immer mit einem Auge wach. Vielleicht war das auch besser so gewesen. Am nächsten Morgen aß ich rasch etwas und suchte dann nochmal um das Grab herum nach dem Mann. Er war wohl nicht draußen… Ich konnte den armen Jungen doch nicht ohne seinen Vater allein lassen! Ich musste also in das Grab hinein… Und dort nach dem Mann suchen. Ich sprach wieder einige Gebete und betrat dann das Hügelgrab. Innen war es ganz kühl und modrig, aber irgendwie war die Luft sonderbar frisch. Sicherlich dadurch, dass der Mann vor einigen Tagen das Grab geöffnet hatte. An den Wänden waren auch überall Fackeln angebracht, von denen einige noch brannten. Nun war ich mir sicher, dass der Mann noch in diesem Grab war. Vielleicht hatte er einfach nur die Zeit vergessen, das konnte ich mir gut vorstellen. Die abgebrannten Fackeln erneuerte ich und zündete sie wieder an. Eine nahm ich auf meinem Weg mit, um besser sehen zu können. Dann begann ich, das Grab zu erkunden. Ich fühlte mich schon fast wie dieser eine reisende und Abenteuer erlebende Gelehrte, von dem ich schon viele Geschichten gehört hatte. Das Grab war sehr alt. Und scheinbar war es schon öfter geplündert worden. Überall auf dem Boden lagen zerbrochene Steine und Scherben und in manchen Räumen waren die Platten auf den Steinsärgen beiseitegeschoben. Alles war voller Staub und in den Ecken hingen dicke Spinnweben. Manchmal sah ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung, das waren ein paar Ratten. Sie waren sicherlich mit dem Mann reingekommen oder es gab in den Wänden irgendwo kleine Löcher. Ab und an sah ich an den Wänden oder auf Vasen in den Räumen alte verwaschene Inschriften und Symbole. Während ich so durch die Gänge ging, und meinen Weg mit Kohle kennzeichnete, fragte ich mich, was wohl die beste Bestattungsart war. Begraben? Verbrennen? Ich hatte auch von sogenannten „Seebestattungen“ gehört, die von den Menschen, die am Meer leben, durchgeführt werden. Und diese großen Hügelgräber sind auch nochmal etwas ganz anderes als ein Friedhof. So eine Gruft ist schon sehr gruselig. Nun, das Grab, in dem ich mich befand, war nicht sonderlich groß, aber ich ließ mir auch Zeit, alles genau anzusehen und zu erforschen. Freiwillig würde ich ganz sicher nicht nochmal in so ein Grab steigen, oh  nein! Da musste ich die Gelegenheit nutzen. Bald, endlich, nach langer Suche, entdeckte ich in einer Grabkammer einen Mann, der an die Wand gelehnt schlief. Aber nein, als ich näher heranging und er nicht auf meine Worte reagierte, sah ich, dass er am Kopf eine blutende Wunde hatte und bewusstlos war. Das Blut an seinem Kopf war schon getrocknet, also lag er wohl schon eine Weile dort. Ich versuchte ihn eilig zu wecken und als ich es geschafft hatte, gab ich ihm gleich Wasser und Essen. Der arme Kerl war schon halb ausgetrocknet und verhungert gewesen. Er wollte mir erstmal nicht sagen, was ihm widerfahren war, er wollte nur so schnell wie möglich raus aus diesem Grab. Ich wollte das auch und so beeilten wir uns zurück. Endlich erreichten wir dann den Ausgang und traten ins Freie hinaus. Der Mond stand bereits hoch am Himmel. So lange hatte ich also in diesem Grab nach dem Mann gesucht. Die Zeit schien wirklich stehen geblieben zu sein, dort unten unter der Erde und all dem Stein. Der Mann sah sich jedenfalls nervös um und kramte in seinen Taschen als würde er nach etwas suchen. Immer wieder holte er ein Stück Stein oder eine Scherbe raus und legte sie mit größter Sorgfalt vor dem Grab ab. Das war ganz sonderbar. Als er sich vergewissert hatte, nichts mehr in seinen Taschen zu haben, gingen wir zurück, zu seinem Lager in der Senke. Wir hörten wieder das furchterregende Heulen, aber der Mann schien ganz ruhig zu bleiben. Er meinte, es gäbe in diesen Höhen weitaus fürchterlichere Dinge als diese Bargheste, wie er sie nannte. Das sollten hundeartige Monster sein. Also Hundemonster. So wie Warge Wolfsmonster sind. So hat er es mir erklärt. Wir gingen die ganze Nacht über und erreichten im Morgengrauen den Rand der Höhen. Und ein Grauen war es, fürwahr! Plötzlich, mit einem Mal, brach vor uns die Erde auf und eine große menschenähnliche Gestalt erhob sich, eingehüllt in alte Fetzen, und ein gammliger Geruch trat in die Luft. Ich war ganz erstarrt vor Schreck und bleich wie Kreide! Und dem Mann schien es auch nicht besser zu gehen! Diese… Gestalt, die sprach dann sogar. Mit einer markerschütternden verzerrten Stimme, wie ein gruseliger Windhauch. Sie sagte mit dieser Stimme, und ich höre die Worte immer noch: „Du hast meine Ruhe gestört! Du hast mein Grab geschändet! Du hast meine Ehre gestohlen! Du wirst mir dafür dein Leben geben!“ Der Mann versuchte stotternd und voller Furcht, die Gestalt zu beschwichtigen, während diese eine knochige Hand nach uns ausstreckte und wir ängstlich zurückwichen. Der Mann entschuldigte sich tausendfach und flehte um Gnade und ich verdanke ihm wohl mein Leben, weil er mich mitgezogen hatte, sonst wäre ich wie angewurzelt stehen geblieben. Als ich dachte, dass es aus sei, erstarrte jedoch wie aus dem Nichts die grauenerregende Gestalt. Plötzlich wand sie sich, als hätte sie unerträgliche Schmerzen, kreischte auf, sodass uns das Blut in den Adern gefror, und sackte mit einem Ruck zu einem Haufen Staub und Lumpen zusammen. Genau in dem Moment, als die Sonne aufgegangen war. Für einen Augenblick hatte ich gedacht, eine blaue Feder zwischen den Steinen aufleuchten gesehen zu haben, aber da hatte ich mich sicherlich geirrt. Die Gestalt war verschwunden und der Mann und ich nahmen unsere Beine in die Hand und rannten schnurstracks in die Senke und zu dem Zelt. Nachdem wir verschnauft hatten, bedankte sich der Mann aufs Herzlichste bei mir und ich erklärte, dass er das nur seinem Sohn zu verdanken hatte. Während er mich verwirrt ansah, sah ich mich verwundert um. Weit und breit war keine Spur von dem Jungen zu finden. Wo war er? Der Mann sagte mir, dass er gar keinen Sohn habe. Wie? Aber ich konnte mir das doch nicht einfach eingebildet haben, oder? …oder? Der Mann, der sich mir nun als Hernod Glimmziegel vorstellte, versuchte mich zu beruhigen und stellte fest, dass es egal war, weshalb ich ihn gefunden hatte, denn ich hatte ihn gefunden und das allein zählte. Da hatte er recht. Er wäre ohne mich da unten in dem Grab gestorben… Ich wollte gar nicht darüber nachdenken. Hernod erzählte mir dann, dass er in dem Grab tatsächlich nach Schmuckstücken gesucht hatte und gerade wieder rausgehen wollte, als er sich umdrehte und so eine untote Gestalt wie die, der wir begegnet waren, vor ihm stand und ihn bewusstlos schlug. Er wäre dort unten einer der Toten geworden, und so war ich wirklich froh, ihn gerettet haben zu können. Hernod hatte mich schließlich danach auch gerettet. Wir beschlossen, gemeinsam nach Bree zu gehen und dort wollte er mich zu einem großartigen Frühstück einladen. Also machten wir uns auf den Weg, durch die Senke und auf der Straße gen Osten nach Bree. Wir ließen den Wald und die Hügelgräber überaus gern hinter uns und der Weg nach Bree kam uns gar nicht so lang vor. Hernod bestand darauf, im Tänzelnden Pony einzukehren und bezahlte mir für die Nacht sogar ein Zimmer dort! Aus diesem Zimmer schreibe ich Dir übrigens gerade. Nun, wir verbrachten den ganzen Tag im heiteren Schankraum und wollten beide eindeutig für die nächste Zeit nur lebende Personen sehen. Mit den bitteren Erinnerungen im Hinterkopf konnten wir zum Abend hin den Tag sogar ordentlich genießen. Dann erzählte mir Hernod, dass er als nächstes in die Einsamen Lande im Osten reisen wollte. Dort gäbe es auch Ruinen, aber ohne all die Gräber. Ich meinte zu ihm, dass ich vielleicht nachgereist kommen würde. Zuerst gab es da ein paar Dinge, die ich in Bree erledigen wollte. Wir verabredeten uns in der Verlassenen Herberge, einem Gasthaus. Nun, ich bin wohlauf. Ich hoffe, euch geht es auch so! Und ich hoffe, Dir geht es gut, lieber Bruder! Grüße alle recht herzlich!

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 20/05/2021 12:50 pm
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7. Wedmath (August)

Mein lieber Drubb,

ich bin wieder in den Einsamen Landen. Hier wollte ich mich mit Hernod treffen, du erinnerst dich sicherlich. Ich habe in der Verlassenen Herberge, die nebenbei erwähnt gar nicht so verlassen ist, jeden nach Hernod Glimmziegel gefragt. Einige konnten sich an einen Mann, der zur Beschreibung passte, erinnern, aber nur der Wirt wusste, wen genau ich meinte. Er sagte mir, dass Hernod eine Nachricht für mich da gelassen hatte. Das war sehr freundlich von ihm. Hernod schrieb darin, dass er auf der Wetterspitze, die im Norden der Herberge liegt, ein großer Berg mit Ruinen, dass er dort jedenfalls etwas gesehen hatte und der Sache nachgehen wollte. Am nächsten Morgen habe ich mich dann selbst auf den Weg gemacht. Ich fühle mich schon wie ein richtiger Abenteurer, hihi! Es macht sehr viel Spaß, die Ruinen in Mittelerde zu erkunden. Also, diese Wetterspitze, die ist wirklich hoch. Das war ein anstrengender Aufstieg, auch wenn es ordentliche Wege gibt. Auf jeden Fall war es die Mühe aber wert, die Aussicht war fantastisch! Einfach fantastisch. Oben habe ich nichts so richtig Ungewöhnliches gefunden… Nur alte Steine. Und dort flogen einige seltsame Vögel herum. Sie hatten eigenartige Augen, das hat mir Angst gemacht. Naja, Hernod habe ich da oben auch nicht gefunden. Er war wohl schon wieder unten und hat sich etwas anderes angesehen. Ich habe zwar nicht Hernod auf der Wetterspitze getroffen, dafür aber eine andere Person. Oh ja! Und stell Dir vor, es war eine Elbin! Ja, eine richtige Elbin! Also, ich habe ja schon so einige Elben auf meiner Reise getroffen, in Bree, auf Veranstaltungen, manchmal auch in den Wäldern, aber so eine Begegnung ist trotzdem immer etwas Besonderes. Diese Elbin hatte gerade irgendwelche Steine untersucht, als ich den Gipfel der Wetterspitze erreicht hatte. Sie sah mit ihrer robusten Kleidung irgendwie aus wie jemand, der im Kampf erfahren ist. Sonst kenne ich Elbenfrauen eher in schönen Kleidern und Gewändern. Nun, ich trage im Moment selbst Reisekleidung, also sollte mich das nicht so sehr wundern. Die Elbin hat jedenfalls ganz wunderschönes honiggoldenes Haar! Nicht so hell oder gelb oder weißblond, es sieht fast aus wie unser klarer Wildblütenhonig. Wir kamen rasch ins Gespräch und als ich ihr meinen Namen genannt hatte, da musste sie lachen, hihi. Sie meinte nämlich, dass wir namentlich etwas gemeinsam hatten. Ich verstehe nichts von der Elbensprache, jedenfalls sagte sie mir, dass ihr Name etwas mit goldenem Honig zu tun hatte. Hihi, das passt perfekt zu ihrer Haarfarbe! Ach ja, sie heißt Mallenglîël. Sie wird auch so geschrieben, das hat sie mir gezeigt. Mallenglîël ist jedenfalls eine sehr sehr freundliche Elbenfrau. Wir haben uns von der Wetterspitze aus den Sonnenuntergang angesehen und dann oben ein Lager aufgeschlagen. Mit ihr kann man sich wunderbar unterhalten! Sie spricht nicht gern über die Vergangenheit, das macht sie traurig, denke ich. Auch wenn sie, wie alle Elben, sehr jung aussieht, wirkt sie sehr erfahren. Sie hat sicher bereits viel erlebt. Wir haben noch viel geredet und dann habe ich mich schlafen gelebt. Mallenglîël hat mir gesagt, dass sie einen Mann auf der Wetterspitze gesehen hat, der dann weiter in den Osten gegangen ist. Das war sicherlich Hernod! Mallenglîël hat mir freundlicher weise angeboten, gemeinsam nach ihm zu suchen. Sie will auch weiter östlich reisen und da trifft es sich gut. Nun, am nächsten Morgen sind wir wieder von der Wetterspitze herab gestiegen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie geschickt Elben doch sind! Auf halbem Weg wurden wir vom Regen überrascht. Bitte verzeih, dass das Briefpapier so durchnässt aussieht. Zum Glück ist nichts verwischt. Wir haben uns dann jedenfalls beeilt und sind in der Verlassenen Herberge untergekommen. Dort hat mir auch der Wirt gesagt, dass Hernod in den Osten aufgebrochen ist. Mallenglîël und ich haben den verregneten Tag am Kamin in der Herberge verbracht und uns gegenseitig Geschichten erzählt. Ich habe erfahren, dass Mallenglîël sich sehr gut mit Tieren versteht und alte Schriften und Legenden studiert. Dafür reist sie durch das Land und sammelt Erkenntnisse. Fast so wie ich, hihi! Das war wohl auch der Grund dafür, weshalb sie auf der Wetterspitze war. Ich bin froh, sie getroffen zu haben. Sie wirkt zuerst ziemlich distanziert und unnahbar, aber ich denke, dass sie sehr freundlich und herzensgut ist. Das Seltsame an Elben ist nur, dass sie eine andere Esskultur als wir Hobbits haben… Aber jeder hat so seine Eigenarten, nicht wahr? Weißt Du, sie spielt sogar ein Instrument! Sie trägt eine alte Laute bei sich und als die meisten Gäste schlafen gegangen sind, haben wir zusammen ein paar Lieder gespielt. Das war eine schöne Begegnung. Ich freue mich schon auf die gemeinsamen Abenteuer, die Mallenglîël und ich zusammen bestreiten werden. Vielleicht komme ich zwischendurch ab und zu ins Auenland, hier gibt es überall Ställe und ein Pony trägt mich schnell zurück. Wie geht es eigentlich Dir, Drubb? Ich hoffe sehr, dass alles gut bei euch ist! Was machen die Bienen? Bitte grüße Mutter und Vater herzlich von mir!

Deine Maiglockli

 

 

 

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Themenstarter Veröffentlicht : 03/06/2021 4:56 pm
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8 10.EinsameLande2Seite1
8 10.EinsameLande2Seite2
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10. Wedmath (August)

Mein lieber Drubb,

Mallenglîël und ich sind weiter Richtung Osten gereist, immer auf den Spuren von Hernod, hihi. Naja, so wirkliche Spuren hat er nicht hinterlassen. Aber das macht ja nichts, denn wenn man eine Elbin an seiner Seite hat, kann man so ziemlich alles finden. Ich kann dir sagen, in den Einsamen Landen findet man definitiv keine Pilze. Hier ist es zu trocken. Mallenglîël und ich sind etwas abseits der Oststraße gegangen, um uns die Gegend anzusehen. Wir sind so vor uns hingegangen und ich habe Mallenglîël mein Wanderlied beigebracht. Du kennst es noch gar nicht, also schicke ich Dir den Text! Er ist auf dem einzelnen Blatt. Hihi, wir hatten sehr viel Spaß mit dem Singen! Und wir haben sogar noch einen Teil dazu gedichtet! Da hat Mallenglîël dann als Elbin gesungen. Hihihi, es war so ein Spaß! Aber dann haben wir etwas gefunden. Auf einmal haben wir ein Wimmern gehört. Hinter einem großen Felsen haben wir dann ein verletztes Tier entdeckt. Einen Luchs! Ich hatte Angst, dass er uns etwas tut, aber Mallenglîël hat mich beruhigt. Sie hat sich sofort um das Katzentier gekümmert. Sie kann wirklich gut mit Tieren umgehen. Es sah so aus als hätte irgendwer – oder irgendwas – den Luchs angegriffen, er hatte eine üble Fleischwunde. Mallenglîël hat ihn mit ihren Elbenkräften geheilt. Frag mich nicht, wie sie das gemacht hat. Dann haben wir die Wunde mit Stoff und Kräutern verbunden. Ich habe versucht, einen Hasen für den Luchs zu fangen, weil er ja nicht selbst jagen konnte. Mallenglîël hat mir dann geholfen. Sie hat eine Mixtur angerührt, die wir unter das Fleisch gemischt haben, damit das Tier schneller zu Kräften kommt. Wir haben es zu einem etwas sichereren Ort mit einer kleinen Wasserstelle gebracht. Dort haben wir auch unser Lager aufgeschlagen und die Nacht verbracht. Am nächsten Morgen haben wir dem Luchs noch ein Frühstück besorgt und sind dann weiter gereist. Wusstest Du übrigens, dass Elben kein zweites Frühstück kennen? Und auch keinen Elf-Uhr-Imbiss, stell Dir das vor! Ich werde Mallenglîël wohl mal ein bisschen Esskultur beibringen müssen. Nun, wir sind dann jedenfalls irgendwann am Nachmittag an einer ziemlich heruntergekommenen Festung angekommen. Feste Guruth heißt sie. Dort haben sich viele Menschen niedergelassen, die scheinbar davon leben, Artefakte aus Ruinen zu verkaufen. Ich weiß ja nicht… Diese Sachen haben früher ja mal anderen gehört… Es ist sehr interessant, sich solche Dinge anzusehen, aber so ganz wohl fühle ich mich bei der Sache auch nicht. Bei Elben ist das etwas anderes. Da ist es immerhin gut möglich, dass manche Stücke denen persönlich mal gehört hatten. Ob Mallenglîël irgendwann hier gewesen war? Vor vielen, vielen Jahren? Als ich sie danach gefragt hatte, wollte sie nicht darüber sprechen, wie sonst auch. Das stört mich aber nicht wirklich. Am Ende ist die Vergangenheit nicht so wichtig. Es zählt nur, was man von ihr lernt. Und ihr Wissen teilt Mallenglîël sehr gern mit mir. Nun, jetzt bleiben wir ein paar Tage in der Feste, um Vorräte zu holen und uns nach Hernod durchzufragen. Wie geht es Dir denn, lieber Bruder? Die Ernte wird sicherlich sehr gut! Bitte grüße Mutter und Vater herzlich von mir. 

Deine Maiglockli

 

 

 

Wanderlied

 

 

Als Hobbit macht das Wandern Spaß,

Man sieht mal dies, man sieht mal das.

Und über Stock und Stein und Ast

Geht man gemütlich ohne Hast.

Und bald mache ich meine Rast

An einem Platz, der für mich passt.

 

 

Oh das Wandern, das ist fein!

Ob gemeinsam, oder allein,

Ob nun klein oder ganz groß.

Komm, wandre drauf los!

Ja, das Wandern ist famos.

 

 

Als Elbin macht das Wandern Spaß.

 

 

Oh das Wandern, das ist fein!

Und nun ist du nicht mehr allein.

Ich bin groß und du bist klein.

Ich reih mich mit ein

Und nun wandern wir zu zwein.

 

 

Von Maiglockli Honighain

 

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Themenstarter Veröffentlicht : 27/06/2021 11:50 am
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Mallengliel
(@mallengliel)
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13. Wedmath (August)

Mein lieber Drubb,

Mallenglîël und ich sind noch zwei Tage in der Feste Guruth geblieben und heute weiter gereist. Leider hatten wir beim Herumfragen nach Hernod keinen Erfolg. Die Menschen, die hier in der Feste leben, bleiben zwar eher unter sich, aber im Moment scheinen viele Händler und Jäger unterwegs zu sein, Hernod ist da als einer von vielen Fremden nicht sonderlich aufgefallen. Er sieht ja auch aus wie die meisten Menschen. Habe ich ihn Dir überhaupt schon einmal beschrieben? Er hat dunkles, etwas lockiges Haar und braune Augen. Unter dem linken Auge hat er eine quer verlaufende Narbe, hui, das war sicherlich ganz schön knapp gewesen, als er die bekommen hatte. Er trägt auch etwas Bart. Daran muss ich mich bei den Menschen noch gewöhnen, das sieht so seltsam aus. Bei Zwergen gehört ein Bart ja schon dazu, das sehe ich da eher als Teil der Kleidung, aber bei Menschen ist die Gesichtsbehaarung nochmal ganz anders. Hernod nennt das bei sich einen „Drei-Tage-Bart“. Hernod ist auch ziemlich groß. Hihi, aber ich glaube, Mallenglîël ist etwas größer. Nun, Mallenglîël und ich wollten nicht ewig in der Festung bleiben und deshalb sind wir heute Morgen weiter gezogen, weiter nach Osten. Hernod wollte ja auch nach Osten und wir dachten uns, dass er vielleicht auch bereits die Feste verlassen hatte. Als wir die Straße entlang gegangen sind, hat mir Mallenglîël eine Geschichte erzählt, über eine Rote Maid. So wird anscheinend hier ein Sumpf genannt. Vielleicht ist das Wasser durch spezielle Erde derart rot gefärbt. Die Geschichte war traurig, diese Maid soll vor langer Zeit durch den Krieg, der hier mal gewütet hat, verdorben worden sein. Sie hatte wohl sehr viel Leid ansehen müssen. Ich möchte mir nicht vorstellen, was so viel Leid mit der Seele einer Person anstellt. Jedenfalls kamen wir bald zu einer großen Brücke, die über den Weißquell führt. Das ist der Fluss am Ende der Einsamen Lande. Und weißt Du, wer da mitten auf der Brücke auf der Mauer saß? Hernod, genau! Er saß einfach so da und mampfte unbekümmert ein Brot. Als er uns sah, wurde sein Ausdruck sofort sehr fröhlich, ich dachte schon, er platzt fast vor Begeisterung! Hihi, er ist uns gleich entgegengekommen und wir haben uns begrüßt. Dann hat er sich ganz höflich bei Mallenglîël vorgestellt und sie hat sich ihrerseits ebenso höflich bei Hernod vorgestellt. Hihi, auf seine Komplimente hat sie wunderbare ernüchternde Antworten gegeben. Das hat den armen Hernod kurz aus der Fassung gebracht. Mallenglîël ist es gewohnt, von Menschen bewundert zu werden, und Hernod hat noch nie eine Elbin direkt vor sich gehabt. Dann hat er sie aber überrascht! Sie hat einen trockenen Kommentar zu etwas abgegeben und Hernod stieg mit ein. Sie meinte später erstaunt zu mir, dass sie nie gedacht hätte, dieser Mensch würde es verstehen, Sarkasmus und Zynismus einzusetzen. Was auch immer das ist, anscheinend besondere Humorformen. Jedenfalls sieht Mallenglîël Hernod seitdem mit anderen Augen und ist aufgeschlossener, sie stempelt ihn anscheinend nicht einfach als gewöhnlichen Kerl ab. Das freut mich sehr. Wir haben nicht weit von der Brücke unser Lager aufgeschlagen. Geht es euch allen gut, Drubb? Bitte grüße Mutter und Vater herzlich von mir. 

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 26/07/2021 12:30 pm
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Mallengliel
(@mallengliel)
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22. Wedmath (August)

Mein lieber Drubb,

wir sind nun schon über eine Woche in den sogenannten Trollhöhen. Das ist kurz vor dem Nebelgebirge. Und es ist eine ganz andere Welt im Vergleich zu den Einsamen Landen! In den Einsamen Landen gibt es so ziemlich keine Bäume, weshalb ich bisher nicht bemerkt hatte, dass bereits der Herbst Einzug gehalten hat. Es ist noch nicht einmal Halimath und hier färben sich schon die Blätter. Ein ganz wunderbarer Anblick ist das. Und hier ist alles voller Wald. Die Blätter beginnen bereits, zu fallen, und legen überall einen hübschen bunten Teppich aus. Wir gehen zusammen sehr gelassen und entspannt, wir haben es ja auch nicht eilig. Mallenglîël kennt den Weg und Hernod sucht bei alten Ruinen nach Relikten und Artefakten. Mallenglîël übrigens auch. Hihi, die beiden fachsimpeln manchmal über ihre Funde. Mallenglîël bringt Hernod auch vieles bei und er hört ihr sehr gern zu. Weißt Du, ich hatte mich die ganze Zeit gefragt, warum dieses Land hier als Trollhöhen bezeichnet wird. An einem Abend, gestern war das, gingen wir auf einem kleinen Trampelpfad durch die Bäume und plötzlich trat da ein Troll aus dem Gebüsch hervor. Der stand dann einfach so da, mitten im Weg, und hat uns angeglotzt. Er hat uns wohl nicht erwartet. Dieser Troll sah fast aus als wäre er aus Stein, seine Haut wirkte etwas moosig und er hatte ein irgendwie plattgedrücktes Gesicht. Die Augen, die waren größer als meine Fäuste! Nach einem langen Augenblick, in dem wir uns nur stutzig angeguckt hatten, brüllte der Troll auf ein Mal los und begann damit, seine Arme wild um sich zu schwingen. Mallenglîël rief mir gleich zu, dass ich in Deckung gehen solle, was ich auch gleich getan hatte. Ich habe mich im Gebüsch versteckt und alles beobachtet. Mallenglîël wollte den Troll gerade angreifen, als, wie aus dem Nichts, Hernod dem Troll auf die Schultern sprang, er war wohl unbemerkt auf einen der Felsen geklettert, die in der Nähe standen. Es war sehr spannend! Ich hatte große Angst um Hernod, und auch um Mallenglîël. Der Troll hätte sie sicher zertrampelt, wenn sie nicht so flink und geschickt wäre. Hernod hat sehr mit dem Troll gerungen, aber dann hat Mallenglîël ihn zu Fall gebracht und Hernod konnte dem Ungetüm die Kehle durchschneiden. Wäh, das Blut war ganz dick und klebrig. Es sah eklig aus. Der Troll trug bei sich ein Medaillon, das sah sehr schön aus. Es gehört sicher einem Elben, Mallenglîël hat es mitgenommen und wenn wir den Besitzer finden, geben wir es zurück. Seit wir dem Troll begegnet sind, sind wir noch wachsamer als vorher. Und Mallenglîël ist sehr erstaunt über Hernods mutiges Verhalten! Ich bin so froh, dass alles gut gegangen ist. Wir werden weiter durch den Wald gehen. Unser nächstes Ziel ist die Lautwasser, das ist ein großer Fluss, der in der Elbensprache Bruinen genannt wird. Mallenglîël meinte, dass er durch die vielen Wasserfälle so laut sei. Ich bin schon ganz gespannt darauf, diesem Fluss zuzuhören. Morgen ziehen wir weiter und werden sicherlich wieder gemeinsam Wanderlieder singen, das macht immer viel Spaß. Ich hoffe sehr, dass es euch gut geht! Wie ist die Ernte? Grüße bitte Mutter und Vater von mir. Mir geht es gut.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 29/07/2021 9:48 am
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Mallengliel
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8 27. Trollhöhen2Seite2

27. Wedmath (August)

Mein lieber Drubb,

nach ein paar Tagen haben wir nun endlich die Lautwasser, oder den Bruinen, erreicht. Dieser Fluss ist wirklich sehr laut! Es ist ein herrlicher Anblick, vor allem jetzt im Herbst, wenn die schönen bunten Blätter an den Ufern liegen und den Flusslauf säumen. Mallenglîël wollte nicht, dass wir zu lang am Fluss verweilen, denn das Wasser zieht wohl allerlei Kreaturen an. Hernod wollte schon eine Angel basteln. Mallenglîël ist einfach weiter gegangen und er musste dann wohl oder übel hinterher kommen. Am Fluss hat Mallenglîël uns über eine seichtere Stelle ans andere Ufer gebracht. Für mich war das aber immer noch recht tief, also hat Hernod mich freundlicherweise auf seinen Schultern getragen. Mit trockenen Füßen ging es dann weiter und nun bergauf. Auf der anderen Seite stieg der Weg an und an einigen Stellen mussten wir ein wenig klettern, aber das haben wir mit gemeinsamer Stärke und Mallenglîëls Geschick geschafft. Nun rasten wir und Mallenglîël sagt, morgen würden wir zu einem besonderen Ort gelangen, das sollte aber eine Überraschung werden. Mallenglîël und ich haben uns noch lang am Lagerfeuer unterhalten, während Hernod geschlafen hat. Dabei habe ich Mallenglîël nach dieser Unsterblichkeit der Elben gefragt, weil ich das nicht so ganz verstehe. Sie meinte, dass sie so lange in dieser Welt existiert wie diese Welt selbst existiert. Daher sind das endgültige Sterben, wie sie es nennt, und der Tod völlig abstrakte Begriffe für sie. Mallenglîël hat mir auch gesagt, dass sie eigentlich in den Westen reisen sollte, in einen Westen, den kein Sterblicher je erreichen könne. Sie werde jedoch von dieser Reise abgehalten durch ihr eigenes Selbst und sie wisse, dass dieses Zaudern und die Sehnsucht nach Mittelerde eine Gefahr bergen würden. Das verstehe ich nicht.

Dann hat mir Mallenglîël noch erklärt, dass manche Elben neidisch auf die Menschen sind, weil die ein Schicksal haben, das den Elben unbekannt ist und weil sich die Menschen immer weiter ausbreiten und die Elben Platz machen sollen. Aber, lieber Bruder, Mittelerde ist so groß, da werden doch wohl alle beieinander leben können, oder etwa nicht? Dann meinte Mallenglîël, dass jeder Elb eine Zeit hat, in den Westen zu reisen und dass diese Zeit genutzt werden solle. So sei es vorherbestimmt, und dennoch schaut sie immer so wehmütig, wenn es darum geht, Mittelerde zu verlassen. Man kann dann wohl nie wieder hierher zurück. Ich frage mich, wie viele Verluste ein Elb wie sie in diesem langen Leben schon durchmachen musste. Vielleicht ist das Gemüt der Elben anders und sie verkraften das besser… Wenn ich da an uns Hobbits und die Menschen denke, die verkraften den Tod einer einzigen Person manchmal schon gar nicht, aber bei den Elben sterben ja dann ganz ganz viele Personen. Ob die Elben nie im Hier und Jetzt leben? Ob sie nur in vergangenen, schöneren Zeiten schwelgen und mit bitterer Miene und Besorgnis in die Zukunft blicken? Hm… Aber wenn ich mir Mallenglîël so ansehe, kann sie ihr Leben genießen. Ich glaube, letztendlich können nur Elben andere Elben verstehen. Mallenglîël meinte, sie bleibt noch in Mittelerde, weil sie noch eine Aufgabe hat. Sie konnte mir nicht sagen, was diese Aufgabe ist. Grüße bitte alle herzlich von mir!

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 02/08/2021 4:57 pm
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Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 2.Trollhöhen3Seite1
9 2.Trollhöhen3Seite2

 

2. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

nun sind wir schon eine ganze Weile in den Trollhöhen unterwegs. Mallenglîël hat uns, als wir hinter dem Bruinen weiter aufgestiegen sind, einen Vorsprung gezeigt, von dem aus kann man ganz wunderbar die ganzen Trollhöhen überschauen! Der Anblick war sehr schön mit all den bunten Bäumen. Dann sind wir weiter gegangen. Hernod meinte zu mir, dass wir bestimmt schon beobachtet wurden, aber ich weiß nicht, was oder wen er damit meint, und Mallenglîël hat nichts gesagt. Heute hat Hernod ihr einen Strauß hübscher Blumen geschenkt und sie hat ihm gleich gesagt, dass er sowas lassen soll. Dann hat sie nichts mehr gesagt und ist so weitergegangen. Später, am Lagerfeuer, da hat Mallenglîël abseits Wache gehalten und Hernod hat mit mir geredet. Er meinte, dass er ja versteht, wenn eine Elbin keinen sterblichen unbedeutenden Kerl abhaben will, aber er versteht nicht, warum die Elben nicht wie die Menschen mehrere Beziehungen in ihrem Leben haben können oder wollen, lang genug wäre ihr Leben ja, hat er gesagt. Die Menschen sind schon seltsam. Aber ich glaube, er hat Mallenglîël wirklich ernsthaft gern, so, wie er sie ansieht. Sie hat ihm gerade aber nochmal ganz deutlich gesagt, dass sie nichts mit ihm anfangen wird und es würde ihnen sonst nur großes Leid bringen. Da ist Hernod aufgesprungen und hat erklärt, er habe von einer Geschichte der Elben gehört, in der genau das möglich gewesen ist und dass wahre Liebe nicht von Sterblichkeit und Unsterblichkeit abhängig wäre. Hui, da ist Mallenglîël wütend geworden, und dabei ist sie sonst immer so ruhig. Naja, diesmal war sie auch ruhig, aber es war ganz bedrohlich und gruselig. Sie hat Hernod deutlich gemacht, dass er kein Recht hat, über die Taten vergangener Leute und so zu reden als wäre er dabei gewesen und würde verstehen, was damals geschehen war. Sie meinte, diese eine Geschichte ist eine ganz große Ausnahme. Ich habe keine Ahnung, von welcher Geschichte die beiden da geredet haben. Mallenglîël schien nun nicht mehr weiter reden zu wollen, aber Hernod setzte noch eins drauf und fragte, ob sie denn niemals geliebt habe. Mallenglîël hat ihn finster, also so richtig finster angesehen und meinte, dass die Herzen der Menschen stets schwanken und doch immer zum Eigennutz zurückkehren würden. Dann ist sie weggegangen. Ich hoffe, sie kommt morgen wieder.

Dann habe ich mich noch etwas mit Hernod unterhalten. Er hat wohl gleich wieder bereut, was er zu Mallenglîël gesagt hatte. Er hat mir gesagt, dass er sie ja versteht, und dass er wirklich eigennützig war. Er dachte, bei den Elben wäre es so wie bei den Menschen, dass es zu dieser Zeit ab und zu schon mal möglich ist, sich mehrmals zu verlieben. Da hab ich ihn gefragt, ob es dann überhaupt echte Liebe gewesen ist, wenn man danach wieder jemanden lieben kann. Hm, vielleicht haben die Elben aber auch generell ganz andere Gefühle. Und vielleicht ist das bei den Menschen auch so! Ich bin immer verwirrter.

Wie geht es euch? Geht es Mutter und Vater gut? Ich hoffe, alles hat mit der Ernte geklappt. Bitte grüße Mutter und Vater von mir. Ich hoffe, meine Briefe kommen überhaupt irgendwann bei dir an… Aber bestimmt tun sie das! Da bin ich mir ganz sicher! Irgendwann bestimmt. Hoffe ich.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 05/08/2021 3:22 pm
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Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 3. Trollhöhen4Seite1
9 3. Trollhöhen4Seite2

 

3. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

Hernod und ich sind immer noch für uns, Mallenglîël ist noch nicht zurück zu uns gekommen. Der Hernod macht sich jetzt natürlich Vorwürfe, weil er sie wohl beleidigt hat. Mallenglîël ist gestern in der Nacht nochmal da gewesen, sie hat aufgepasst, dass Hernod sie nicht bemerkt und ich war schon beim Einschlafen. Sie hatte mir angeboten, mit ihr weiter zu reisen, wenn ich nicht bei Hernod bleiben wollte. Der Hernod und ich haben aber schon so viel durchgemacht und erlebt, da kann ich ihn ja nicht einfach so allein lassen, nein, nein. Mal sehen, vielleicht schließt sich Mallenglîël ja doch wieder uns an. Ich hoffe es sehr. Nun, jetzt müssen wir mehr klettern als vorher, weil Mallenglîël uns auf begehbareren Wegen durch die Wälder geführt hatte. Wir finden aber ganz viele Blaubeersträucher und ich konnte eine Menge sammeln! Hach, ein feiner Blaubeerkuchen wäre gut… Die Blaubeeren allein tun es aber auch. Während wir so gehen, unterhalten der Hernod und ich uns über alle möglichen Dinge. Wir haben auch darüber geredet, was wir beim Reisen am meisten vermissen. Also, ich vermisse ein schönes warmes Bad. Und ordentliches Essen. Und natürlich vermisse ich meine Freunde und euch! Und dann noch die Hügel und Wiesen und Felder und Flüsse und Bäche und Wälder im Auenland. Aber beim Reisen lerne ich neue Leute kennen und sehe neue Landschaften, und ich kann neues Essen probieren und der Regen ist wunderbar, wenn wir uns dabei unterstellen können. Der Hernod vermisst vor allem die Gelage in den Gasthäusern. Er meinte aber, dass er auf Reisen auch in viele Gasthäuser kommt. Am meisten vermisst er, jeden Morgen am gleichen Ort aufzuwachen und das gleiche aus dem Fenster zu sehen. Er ist aber auch sehr neugierig. Dann hat er mir eine Geschichte erzählt von einer Elbenfrau und einem Menschen, die sich ineinander verliebt hatten. Er meinte, er kenne selbst nur ganz wenig von dieser Erzählung, und dass die beiden viele Gefahren überstanden haben und die Elbin dann die Sterblichkeit gewählt hat. Die Geschichte war traurig, aber auch schön. Die beiden sollen die Vorfahren der alten Könige aus dem Westen gewesen sein, und der Hernod interessiert sich sehr für die Vergangenheit dieser Menschen. Er will deshalb von den Trollhöhen aus weiter nach Hulsten oder Eregion, weil da wohl viele Ruinen aus ganz alter Zeit sind. Jetzt gehen wir also eher in Richtung Süden, an einer Felswand entlang. Zum Abend hin hat es angefangen, zu regnen, aber wir konnten uns zu einer Nische im Stein retten und sind trocken geblieben. Hier ist es am Feuer recht gemütlich. Hernod hat gesagt, dass wir ganz in der Nähe von Bruchtal sind, da leben die Elben. Die Elben beobachten uns sicherlich auch, weil sie wachsam sind. Zuerst wollte Hernod nach Bruchtal, aber ich glaube, dass er sich jetzt ohne Mallenglîël nicht mehr hin traut. Die Elben würden ihn wohl nicht einfach so rein lassen. Wie es bei den Elben so ist, frage ich mich. Wie sieht es da aus? Und so viele Elben auf einmal kann ich mir gar nicht richtig vorstellen. Vielleicht kommen wir irgendwann noch da hin, wenn Mallenglîël wieder bei uns ist. Ich hoffe immer noch, dass sie zurück kommt, und Hernod hofft das auch. Wie geht es euch denn so? Grüße alle bitte recht herzlich von mir, ich vermisse euch alle sehr.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 09/08/2021 3:00 pm
Halldin und Valimaro gefällt das
Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 4. Trollhöhen5Seite1
9 4. Trollhöhen5Seite2

 

4. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

Mallenglîël ist immer noch nicht da. So langsam mache ich mir Sorgen. Also, mit Hernod ist es ja sehr lustig, aber vermissen tu ich sie schon… Vielleicht kommt sie morgen wieder. In der Zwischenzeit sind Hernod und ich langsam und gemütlich weiter gewandert, wir haben es ja auch nicht eilig. Wir genießen die herbstliche Natur. Von weitem erkennen wir schon, dass es in Richtung Süden kahler mit der Landschaft wird und hügeliger und felsiger. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, warum wir beide nicht ganz so recht dort hin gehen wollen. Aber wir wollen uns diese alten Steine angucken und deshalb sind wir sehr motiviert! Wir singen auch ganz viel zusammen, das macht großen Spaß. Und der Hernod kann ganz viele Geschichten erzählen! Da ist zum Beispiel die Geschichte von einem längst untergegangenen Königreich der Menschen im Westen, das hieß Nu-Mennor. Die Menschen dort wurden ganz alt, viel älter als sie es eigentlich werden, und sie waren ganz schlau und künstlerisch und wohlhabend. Irgendwann wollten sie ihren Reichtum und ihr Glück gern mit den Elben im Westen teilen, und sie sind mit ganz vielen Schiffen dort hin gesegelt, aber die Valar haben den Elben den Besuch nicht gegönnt und haben das Königreich zerstört. Wie schade. Dieses Nu-Mennor hätte ich gern mal gesehen. 

In einer anderen Geschichte ging es um einen Menschen, der hatte einen ganz großen Jagdhund, der hieß Huhand und der konnte sogar sprechen! Aber dieser Mensch hat seine Schwester geheiratet. Sowas machen wir beide nicht. Und weil er sowas Schlimmes getan hat, wurde ihm ein Drache auf den Hals gehetzt, um ihn dafür zu bestrafen. Den Drachen hat er aber mithilfe seines Jagdhundes getötet und hat sich mit seiner Schwester auf einer Insel versteckt. Dort sind die beiden dann gestorben. Dann hat Hernod mir noch eine Geschichte über Gil-Galad, den großen Elbenkönig, erzählt. Der kam ursprünglich aus dem fernen Westen und hat sich unterirdisch in einer riesigen Grotte niedergelassen. Als es ihm dort zu langweilig wurde, ist er an der Küste auf eine Insel gezogen. Ich habe Hernod gefragt, ob er auch Geschichten von dem Land kennt, zu dem wir gerade unterwegs sind. Und was denkst Du, natürlich kennt er welche darüber! Da lebten einst Zwerge und Elben in Freundschaft zusammen, und die Zwerge haben eine schöne Halskette gemacht und die Elben einen schönen Edelstein, und das haben sie dann miteinander verbunden. Nun gab es aber das Problem, dass jeder die Kette mit dem Edelstein für sich haben wollte. Das hat der Große Böse Dunkle Herrscher mitbekommen und hat sich als Elb verkleidet und hat den Elben und Zwergen ein Tauschgeschäft vorgeschlagen. Er hat beiden Seiten Ringe gegeben und dafür die Kette mit dem Edelstein bekommen. Aus dieser Kette mit dem Edelstein hat er dann noch einen Ring gemacht und das war ein Zauberring mit ganz riesiger Macht, und mit dem Ring hat er dann versucht, alle zu unterjochen, bis er von Gil-Galad, dem Elbenönig, der auf einer Insel wohnte, besiegt wurde. Elendil, einer der Könige von Nu-Mennor, hat dem Bösen den Ring vom Finger geschnitten und sein Sohn Isildur hat den Ring dann in Sicherheit gebracht. Huiuiui, das sind alles ganz spannende Geschichten! Und der Hernod weiß so viel, er ist so schlau! Ich freue mich schon auf die nächsten Geschichten. Bitte grüße alle herzlich von mir!

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 12/08/2021 2:30 pm
Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 5. FurchtbarSeite1

 

5. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

ich weiß nicht recht, was ich Dir schreiben soll. Mallenglîël meinte, ich soll mich ablenken, indem ich einen Brief schreibe, aber beim Schreiben muss ich auch an das denken, was passiert ist. Es ist etwas ganz Furchtbares passiert. Heute morgen wurden Hernod und ich angegriffen. Das war eine Gruppe Bilwisse aus dem Gebirge, die hatten sich wohl zu uns verirrt. Wir haben sie zu spät bemerkt und es ging alles so schnell. Hernod wurde von einem Pfeil getroffen, von hinten in den Rücken. Oh je, ich hoffe ganz doll, dass er das übersteht! Als die Ungeheuer uns angegriffen haben, sind plötzlich Elben zwischen den Bäumen und aus dem Gebüsch gesprungen und haben die vielen Bilwisse rasch erledigt. Mallenglîël war auch dabei und sie hat sich gleich um Hernod gekümmert und ihn hochgehoben und auf eins der Pferde gepackt. Mich hat sie auf ihr eigenes Pferd mitgenommen. Naja, sie hat kein eigenes Pferd, das war wohl eins der anderen Elben. Diese Elben haben uns nach Bruchtal gebracht, aber ich konnte vor Tränen gar nichts sehen. Ich hatte auch nur zu Hernod geguckt. Seine Wunden werden behandelt, aber sie wollen mich nicht zu ihm lassen, weil er Ruhe braucht. Die Elben können nicht sagen, ob er durchkommt, weil der Pfeil vergiftet war. Jetzt können wir nur noch abwarten… Ich kann nicht einschlafen, ich muss immerzu an all das Blut denken und an den armen Hernod. Er hat versucht, mich noch in Sicherheit zu bringen und hat dabei einen Pfeil abbekommen. Ich hoffe so sehr, dass es ihm bald wieder besser geht… Bitte grüße alle von mir.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 20/08/2021 11:34 am
Valimaro gefällt das
Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 6. Bruchtal1Seite1
9 6. Bruchtal1Seite2

 

6. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

was mit Hernod wird, ist immer noch ungewiss. Jedenfalls weiß ich nichts darüber, weil mir niemand etwas sagen will. Ich habe aber etwas mehr über die gestrigen Geschehnisse erfahren. Mallenglîël hatte Hernod und mich weiterhin beobachtet und auf uns aufgepasst, als sie eigentlich weggegangen war. Sie hat auch die Umgebung nach Gefahren abgesucht. Bald hat sie wohl bemerkt, dass eine große Gruppe Bilwisse es geschafft hatte, aus dem Nebelgebirge in die Wälder und Hügel zu gelangen. Sie hat das gleich den Elben, die um Bruchtal alles abgehen, davon berichtet, aber die wollten ihr wohl nicht ganz glauben. Die meinten, dass es nicht möglich wäre, dass sich Bilwisse unbemerkt und auch noch so weit südlich aufhalten könnten. Wenn überhaupt, dann hätten sie es ab und zu mit Trollen zutun, aber nicht mit Bilwissen. Ich frage mich immer noch, wie Mallenglîël die Bilwisse bemerkt hatte, die anderen Elben aber nicht. Die Elben haben das erst mitbekommen, als die Bilwisse schon aus dem Gebirge gekommen waren. Sie haben die große Gruppe erwischt, aber ein Teil konnte flüchten und dieser Teil hat Hernod und mich angegriffen. Ich glaube, die Elben kamen gar nicht, um uns zu retten, sie hatten nur die Bilwisse verfolgt. Nur Mallenglîël war da, weil sie uns direkt helfen wollte. Natürlich haben uns die anderen Elben auch geholfen, als sie uns bemerkt haben. Und sie helfen uns ja immer noch. Ich bin froh darüber, dass sie uns beide bei sich aufgenommen haben. Ich konnte mich heute auch schon bei ihnen bedanken, Mallenglîël hat mir die elbischen Worte dazu beigebracht. Die hab ich aber schon wieder vergessen und ich glaube, ich habe sie sowieso falsch ausgesprochen. Mir ist außerdem etwas Merkwürdiges aufgefallen. Als wir gestern in Bruchtal angekommen sind, hat Mallenglîël die Elben zuerst ein wenig anders begrüßt. Sie hatte irgendwas mit ‚De‘ gesagt und die anderen was mit ‚Le‘, aber das verwirrt mich alles sehr. Mallenglîël diskutiert auch ganz viel mit den Elben, wenn sie denn überhaupt mit ihnen spricht. Seltsam ist es schon, irgendwie habe ich den Eindruck, dass sie die anderen eher meidet. Vorhin saß sie ganz allein unter einem Baum und hat ihr Schwert poliert. Ich hatte vorher gar nicht so richtig mitbekommen, dass sie ein Schwert hat. Sie trägt es immerhin auch auf dem Rücken, unter ihrem Mantel. Hübsch sieht es aber aus! Die Klinge ist ganz gerade und leuchtet schön im Licht. Der Griff ist hübsch verziert mit hellblauen Mustern und Steinen. Das ist ein richtiges schönes Elbenschwert. Mallenglîël kämpft aber nicht damit. Sie sagte, sie benutzt es nur im äußersten Notfall. Sonst kämpft sie immer mit ihrem Bogen, damit ist sie sehr geschickt. Ihr Bogen ist auch hübsch. Es ist seltsam, als sie das Schwert geputzt hat und Elben vorbei kamen, hat sie vor allem den Griff verdeckt, geradezu versteckt hat sie die Waffe. Sie meinte dann zu mir, dass das Schwert schon alt sei und sie keine Lust auf zu viele Fragen habe. So seltsam das auch alles ist, aber damit hat Mallenglîël mir geholfen, mich etwas abzulenken. Ich habe immer noch Angst um Hernod. Hoffentlich kann er bald selbst sehen, wie wunderbar Bruchtal ist! Die Gärten sind so schön und auch die Gebäude. Wie geht es euch denn so, lieber Bruder? Sicherlich besser als uns hier. Also, hier wird aber gut für uns gesorgt. Bitte grüße alle von mir. 

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 23/08/2021 2:29 pm
Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 7. Bruchtal2Seite1

 

7. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

endlich durfte ich zu Hernod! Und es geht ihm besser! Er hat es überstanden. Ich freue mich ganz doll! Er ist noch sehr schwach, aber er hat schon viel mit mir herumgealbert. Hernod soll noch liegen bleiben und sich erholen, und deshalb hat er mir aufgetragen, Bruchtal zu erkunden und ihm dann alles zu berichten. Da habe ich mir nun die Zeit genommen, mir alles anzusehen. Es ist alles ganz wunderbar hier, und ganz fantastisch! Das Wasser und die Gärten, und dann sind hier ganz ganz viele Elben! Alle sind hier sehr freundlich. Und dann habe ich noch eine ganz besondere Person kennengelernt. Ich darf Dir aber nicht sagen, wer es ist. Dieser besondere Jemand kann jedenfalls hervorragende Geschichten erzählen und hat sich sehr gefreut, einen Hobbit zu treffen. Wir haben uns lang miteinander unterhalten. Vorhin war ich wieder bei Hernod und Mallenglîël war auch da. Sie hatte Hernod erklärt, was passiert war. Hernod freut sich, noch zu leben. Er kann es gar nicht fassen, tatsächlich in Bruchtal zu sein. Das haben wir sicherlich Mallenglîël zu verdanken. Ich dachte ja schon, dass sie irgendwie merkwürdig ist, aber jetzt weiß ich, dass alle Elben eigenartig sind. Aber feine Lieder singen, das können sie! Sie kennen auch ganz viele Geschichten. Jetzt weiß ich, dass die Geschichten, die Hernod mir erzählt hat, eigentlich ganz anders geschehen sind. Hernod hat sehr gern die richtigen Fassungen gelernt, er war sehr froh darüber, endlich die echten Geschichten hören zu können. Ich hoffe, es geht euch allen gut! Bitte grüße alle herzlich von mir.

Deine Maiglockli

AntwortZitat
Themenstarter Veröffentlicht : 26/08/2021 3:29 pm
Mallengliel
(@mallengliel)
Verwandter der Gefährten
9 10. Bruchtal3Seite1
9 10. Bruchtal3Seite2
9 10. Bruchtal3Seite3
9 10. Bruchtal3Seite4

 

10. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

jetzt geht es Hernod schon viel besser! Er kann nun auch selbst Bruchtal erkunden, auch wenn er noch etwas schwach ist. Er redet gern mit den Elben. Wir hören jeden Tag ganz viele Geschichten, die Elben kennen wirklich ganz viele Geschichten. Mallenglîël hört auch oft zu, aber manchmal geht sie plötzlich mittendrin weg und kommt erst später wieder. Heute haben wir auch wieder ein paar Erzählungen gelauscht und dann haben sich Mallenglîël und Hernod mit dem besonderen Jemand und einigen Elben unterhalten. Der Hernod weiß nicht so viel von den Geschichten aus alter Zeit, so wie die Elben sie erzählen, aber dafür weiß er einiges von den Geschichten der Menschen. Er hat alles darüber zusammengetragen, wo er nur konnte, und das interessiert ihn alles sehr. Mallenglîël hat Hernod viele Fragen gestellt. Sie möchte viel über das wissen, was passiert war, bevor sich die Menschen und Elben zum ersten Mal getroffen haben. Sie hat eine Vermutung, dass etwas ganz Schlimmes geschehen ist, vor sehr langer Zeit, und dadurch soll wohl irgendein Leid auf die Menschen gekommen sein. Darüber wollte Hernod nichts erzählen. Er hat aber gesagt, dass er von Erzählungen gehört hat, in denen die Menschen zuerst unsterblich waren und dass der Tod durch das Böse gekommen ist. Und da hat er dann gesagt, dass die Elben die Menschen nie verstehen würden, weil die keinen Tod zu fürchten haben. Mallenglîël hat ihm da widersprochen. Sie meinte, dass die Elben irgendwann ein unausweichliches Ende finden würden, weil sie nur so lange existieren wie die Welt existiert. Die anderen Elben haben ihr zugestimmt. Ich wusste gar nicht, dass so eine Ungewissheit die Elben derart bedrückt. Wir Sterblichen werden das Ende der Welt ja wohl kaum miterleben, aber die Elben haben sicherlich ein ganz anderes Zeitempfinden. Sie wissen nicht, wann dieses Ende kommt und was danach ist, aber sie haben Vertrauen zu dem Einen, der das Ende geplant hat und nur Gutes plant. Dann hat Mallenglîël angemerkt, dass die Elben an das Leben der Welt gebunden sind, die Menschen aber nicht, und die Menschen haben ein besonderes Schicksal. Die Elben tun mir leid. Hernod und die Menschen auch. Hernod hat dann überlegt, ob es vor dem Bösen für die Menschen vorgesehen war, so alt wie die Menschen aus dem alten Westlichen Königreich zu werden. Aber selbst die sind gestorben und der Tod ist für die Menschen immer etwas Böses. Für die Elben ist es nicht nur böse, glaube ich. Hernod meinte dann, dass manche denken, das besondere Schicksal der Menschen erfülle sich auch erst nach dem Ende der Welt. Die Elben sagten, dass die Menschen dazu bestimmt sind, die beschädigte Welt zu reparieren und die Elben sollen sie dabei unterstützen. Irgendwann brauchen die Menschen die Elben dann nicht mehr und das ist auch ein Grund dafür, warum die Elben Mittelerde verlassen. Sie sehen Menschen nicht als ein geringeres Volk an, weil sie alle die Kinder des Einen sind. Das klingt für mich so wie wenn ältere Geschwister den jüngeren helfen, im Leben klarzukommen. Hernod hat dann vor sich hin gemurmelt und ich habe es erst nicht verstanden, aber die Elben haben ihn ganz entsetzt angeguckt. Er hat sich nämlich gefragt, oder vielmehr infrage gestellt, warum der Eine all das Leid zulässt, wenn er doch die Macht dazu hätte, Leid zu beenden oder sogar zu verhindern. Und dass vielleicht sogar der Eine dafür verantwortlich ist, dass die Menschen den Tod kennen. Die Elben sagen, dass der Eine alles tut, um Gutes zu tun, und selbst aus dem Leid wird Gutes entstehen. Die Elben werden das wohl besser erkennen können als die Sterblichen, weil sie über viele Jahrhunderte hinweg die Wirkungen und Ausmaße bestimmter Taten und Begebenheiten besser nachvollziehen können, das denke ich jedenfalls. Ich kann Hernod aber verstehen. Ich begreife auch nicht, wie jemand bereitwillig Leid zulassen kann, wenn man das Leid verhindern könnte. Hernod verzweifelt, und es wirkt auf mich als würde er sich für die Menschheit schämen und für etwas, das die Menschen vor ganz langer Zeit getan haben. Er meinte, dass ganz alte Geschichten erzählen, dass die Menschen sehr wissbegierig waren, aber zu früh zu viel wissen wollten und deshalb leiden mussten. Die Elben meinten, dass dieses Verlangen nach Wissen auch bei ihnen vom Bösen ausgenutzt worden ist. Das ist doch furchtbar, da möchte man mehr wissen, und dann ist das auch noch schlecht, oder jedenfalls ist die Art schlecht, wie man das Wissen erlangen will. Hui, das alles verwirrt mich sehr. Ich kann Dir auch nur schreiben, was die anderen gesagt haben, ich will selbst gar nicht so viel darüber nachdenken. 

Der besondere Jemand, der hatte auch mitdiskutiert, und er hat mir später einen Text gezeigt und übersetzt, in dem auch über solche Themen von Elben und Menschen gesprochen wurde. Da drin waren auch Erklärungen dafür, warum es kaum zu Beziehungen zwischen Elben und Menschen kommt. Da tut mir der arme Hernod noch mehr leid, weil er Mallenglîël doch so gern hat. Oh, mir fällt dabei ein, dass ich gesehen habe, dass Mallenglîël an einer Kette um den Hals einen silbernen Ring trägt. Hübsch ist der Ring, sehr schön verziert, aber nicht zu doll, und er sieht nicht ganz so aus wie der Elbenschmuck, den ich in Bruchtal gesehen habe. Ich habe dann die anderen Elben mal gefragt, was bei denen ein Ring an einer Kette bedeutet, und sie haben mir gesagt, dass ein Ring aus Silber zur Verlobung getauscht wird, aber er wird am Finger getragen und nicht an einer Kette. Sie wollten gern wissen, warum ich das frage, und als ich ihnen den Grund gesagt habe, haben sie Mallenglîël bedauert. Hm. Sie haben mir erzählt, dass Elben anderen Elben ansehen können, ob diese verheiratet sind, aber ob jemand verlobt ist, können sie nicht sehen. Das ist, weil die Seelen nach der Hochzeit irgendwie zusammengehören, aber davor noch nicht so ganz. Ich habe natürlich auch Mallenglîël danach gefragt, aber sie hat nicht davon gesprochen, so wie sie sonst auch nicht über etwas aus ihrer Vergangenheit spricht. Liegt das daran, dass ich zu den Hobbits gehöre und nicht zu den Elben? Den anderen Elben gegenüber ist sie aber auch verschlossen, also nehme ich das nicht persönlich. Ab und zu beobachte ich, dass die Elben hier in Bruchtal versuchen, irgendwie mit Mallenglîël ins Gespräch zu kommen, aber sie lässt das kaum zu. Sie ist meist allein, und wenn sie dann doch mal bei uns oder anderen ist, ist sie eher im Hintergrund. Hernod ist da das genaue Gegenteil. Er scheint übrigens über Mallenglîël hinweg zu sein, alle paar Stunden himmelt er eine andere Elbin an. Hihi, es wirkt fast so als würden ihn all die hübschen Elben überfordern. Wie war eigentlich die Ernte? Ist alles in Ordnung bei euch? Ich hoffe es sehr. Mir geht es hier gut. Bitte grüße Mutter und Vater von mir.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 02/09/2021 3:16 pm
Mallengliel
(@mallengliel)
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12. Halimath (September)

Mein lieber Drubb, 

heute habe ich Mallenglîël zum ersten Mal in einem Kleid gesehen. Hui, sah das hübsch aus! Das steht ihr sehr gut und sie sieht dann ganz anders aus als in ihrer robusten Reisekleidung. Da hab ich auch ihren Silberring besser gesehen. Sie saß heute am Wasser im Schatten einiger Bäume und sie hat ein schönes Lied gesungen. Ich glaube aber, dass sie dabei geweint hat. Das Lied war auf Elbisch, ich habe es also nicht verstanden. Als sie mit Singen fertig war, habe ich mich nach einer Weile zu ihr gesetzt und sie gefragt, warum sie geweint hat. Sie meinte, dass das Lied von einer traurigen Geschichte erzählt, und das hat sie zu Tränen gerührt. Mallenglîël ist sonst immer recht ernst, da habe ich nicht gedacht, dass ich sie mal weinen sehen würde. Natürlich habe ich sie dann nach dieser Geschichte aus dem Lied gefragt. Sie hat es freundlicherweise für mich übersetzt. Ja, es geht durch die Übersetzung und das neue Reimen viel von der Bedeutung verloren, aber es ist trotzdem sehr sehr traurig. Ich habe versucht, es in unserer Sprache zu dichten, und das kommt gar nicht, auch nicht im Entferntesten kommt das an die Schönheit des eigentlichen Liedes ran. Mallenglîël hat dann noch Lieder von einer Nimrodel und von einer Luthien und von einem Glorfindel gesungen und die waren auch alle zum Weinen. Ein paar Elben sind bald dazu gekommen und haben in ihre Lieder mit eingestimmt. Die Lieder haben alle ganz traurig gemacht. Seltsam ist es aber, dass sie gleichzeitig irgendwie glücklich gewirkt haben. Versteh einer die Elben. Ich versteh sie nicht. Aber abgesehen davon, dass ich sie nicht verstehe und sie so seltsam sind, fühle ich mich hier in Bruchtal sehr wohl. Ich konnte nach der langen Reise endlich wieder einmal ein wunderbares heißes Bad nehmen, hach, war das herrlich! Und das Essen hier, hui, das ist ganz fein für einen Hobbit, oh ja! Ich darf hier auch Kuchen backen und die Elben essen meine Kuchen sehr gern, hihi. Außerdem ist es wirklich ein Glück, dass ich von daheim ein schweres Honigglas mitgeschleppt habe, und auch etwas von unserem feinen Pfeifenkraut. Das habe ich nämlich diesem besonderen Jemand geschenkt, und hui, der hat sich ganz ganz doll über die Sachen aus dem Auenland gefreut! Da habe ich mich auch ganz doll gefreut. 

Der Hernod freut sich hier auch ganz doll. Wir dürfen hier, wenn Mallenglîël dabei ist, uns auch die alten Schriften und Bücher und Papiere ansehen. Da steht ganz viel drin über alles Mögliche. Danach unterhalten wir uns dann immer mit den Elben dazu und das sind immer wunderbare Unterhaltungen. Die Elben schaffen es immer, neue Gedanken anzustoßen und dann werfen sie neue Ideen ein und dann wird das eine ganz feine Diskussion. Elben können auch diskutieren, ohne gleich eine Schlägerei anzufangen, das war mir neu. Ich dachte erst, dass das an einem Mangel an Alkohol liegt, aber von wegen! Die Elben wissen einen guten Tropfen durchaus zu schätzen. Und sie wissen wirklich, wie man feiert, hihi. Feiert ihr eigentlich ordentlich im Auenland? Ich hoffe es doch! Trinkt beim Feiern einen oder zwei Krüge für mich mit! Ich würde hier ja auch für jeden von euch mittrinken, aber spätestens, wenn ich bei Schneeglockli angekommen bin, kippe ich vom Stuhl. Hihi, die Elben haben schon Seltsames zum Trinken. Grüße alle von mir! Ich vermisse euch. Lasst uns bald gemeinsam feiern.

Deine Maiglockli

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Themenstarter Veröffentlicht : 06/09/2021 5:50 pm
Mallengliel
(@mallengliel)
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14. Halimath (September)

Mein lieber Drubb,

ich lerne hier jeden Tag mehr über die Elben und meine Freunde. Zum Beispiel weiß ich nun, dass Mallenglîël nicht nur die Laute, sondern auch die Harfe spielen kann! Ja gut, Saiteninstrumente sind ja in der Handhabung recht ähnlich, aber wenn man eine Harfe ganz ganz geschwind spielt, ist das nochmal etwas ganz anderes, meine ich jedenfalls. Es war nämlich so, dass die Elben Mallenglîël mehr oder weniger dazu überredet haben, mit ihnen zu spielen. Sie haben ihr eine Harfe gegeben und dann haben sie zusammen musiziert und auch miteinander gesungen. Hach, war das herrlich! Hihi, der Hernod hatte zum Abend auch ein paar Lieder zum Besten gegeben, aber sie waren Hobbitliedern ähnlicher als Elbenliedern. Lustig war es auf jeden Fall und wir haben alle viel gelacht. Dann ist noch etwas passiert, eine neue Entwicklung, wenn man so will. Wir hatten ja bei dem Troll, der uns im Wald überrascht hatte, ein Medaillon gefunden. Ich weiß jetzt, dass wir dem Troll am Tag nicht begegnet wären und dass er wohl Wanderern aufgelauert hat, weil man das Kommen eines Trolls durch die Erschütterung des Bodens vorhersehen kann. Nun, Mallenglîël hatte seit unserer Ankunft versucht, den Besitzer des Anhängers zu finden oder mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Sie war endlich erfolgreich! Es stellt sich heraus, dass das Medaillon dem Sohn eines der Elben gehört und dieser Sohn wurde mal von einer Gruppe Trolle angegriffen oder hat sie selbst angegriffen, das hab ich nicht so ganz verstanden. Er kam davon, aber ein Troll auch und der hatte sein Medaillon geklaut. Der Elb, der Vater des Sohnes, war sehr froh, den Anhänger wieder zu haben. Sein Sohn ist gerade irgendwie in einem Düsterwald unterwegs, und der Vater wird ihm das Medaillon zurückgeben, sobald er wieder da ist. Hihi, der Elb hat sich ganz doll gefreut. Er wollte Mallenglîël und Hernod unbedingt danken und weil er sowas wie ein Schneider ist, wollte er gern etwas nähen. Mallenglîël und Hernod haben gesagt, dass sie gern möchten, dass der Elb mir ein Kleid macht! Uiuiui! Da war der Elb begeistert von der Idee, weil er noch nie für einen Hobbit etwas gemacht hat. Ich kann es gar nicht fassen, Mallenglîël und Hernod sind so lieb! Ich habe mich dann noch lang mit ihnen unterhalten. Mallenglîël meinte, dass wir zwei Möglichkeiten dafür haben, wie es weiter geht. Entweder verbringen wir den Winter in Bruchtal oder wir brechen vor Wintereinbruch wieder auf. Sie hat zu Hernod gesagt, dass es im Winter nicht möglich ist. Was auch immer ‚es‘ ist. Wir haben uns also geeinigt, dass wir in fünf Tagen, spätestens aber in einer Woche weiterziehen werden. Hernod will weiter nach Eregion und Mallenglîël ist sehr an den dortigen Ruinen interessiert. Dort gibt es wohl sehr viele elbische Relikte und auch welche von Zwergen, aber Mallenglîël hofft, auch einiges von Menschen zu finden, bevor die Elben und Zwerge in diese Region gekommen sind. Wir sind also seit gestern dabei, unsere Abreise vorzubereiten. Hernod wollte gern ein Pony oder ein Pferd mitnehmen, aber Mallenglîël war dagegen. Sie sagte, wir könnten es sowieso nicht lang mitnehmen und Hernod hat zugestimmt. Also, ich weiß ja nicht, wo die beiden noch hin wollen, aber ich komme sehr gern mit. Euch geht es doch hoffentlich gut, nicht wahr? Lasst es euch auf jeden Fall gutgehen! Grüße bitte alle recht herzlich von mir.

Deine Maiglockli

 


 

Im September, in Bruchtal.
Es findet ein Gespräch, eine entscheidungssuchende Besprechung statt zwischen Hernod und Mallenglîël bezüglich des zukünftigen Reiseweges, von welcher Maiglockli keine Kenntnis hat.

Sie öffnet die Türen. Er geht an ihr vorbei, in beiden Händen eine von Elbenhand gezeichnete Karte, den Blick darauf gerichtet. Sie schließt die Türen und folgt.
Du bist also nicht von diesem Entschluss abzubringen.
Wie könnte ich denn auch! Ich will die alten Königreiche sehen, mit all der Großartigkeit, was denkst du denn! Dort gibt es mit Sicherheit noch sehr viel Wissen aus Númenor, schließlich wurden die Orte von jenen von Númenor gegründet. Wohin soll ein Mensch denn schon wollen, wenn nicht dort hin!
Er breitet die Karte auf einem Tisch vor ihnen aus.
Die Großartigkeit, von der du sprichst, ist längst nicht mehr.
Aber die Erinnerung an sie hat überdauert! Warst du denn überhaupt mal dort?
Weshalb sollte ich in ein Reich der Menschen gehen.
Sie beantwortet die gestellte Frage damit nicht.
Na, weil die Geschichte dieser Menschen und die Geschichte deiner ach so geliebten Elben miteinander verbunden sind? Welchen Grund bräuchtest du noch?
Das Volk der Eldar zu lieben, ist kein Grund, um Menschenreiche zu besuchen.
Na, von mir aus, ist mir alles recht, aber ich will da hin.
Ihm scheint ein Argument einzufallen.
Die Kleine will auch!
Ihr Blick wird dunkler.
Du solltest sie aus deiner Sache heraushalten.
Sie ist alt genug, um selbst Entscheidungen zu treffen!
Sie ist älter als du.
Ein Ausdruck des Erstaunens.
Tatsächlich? Die Kleine, älter als ich?... Hah… Haha, das ist ja ulkig!
Tu es nicht als lustigen Umstand ab. Ohne sie wärst du tot.
Und das ist doch ein Grund mehr, sie mitzunehmen! Sie ist meine kleine Beschützerin, ist das nicht süß? Du wärst mir ja lieber gewesen, aber-
Ein bitterer Ausdruck der Kränkung mit scharfem Ton.
-Du bist ja einfach abgehauen.
Sie seufzt, das Thema leid.
Eine Pause.
Was? Nervt es dich, ja? Gut, wenigstens ignorierst du das nicht! Warum bist du eigentlich so stur? Es hätte doch etwas mit uns werden können…
Ein Funken Hoffnung.
Nein.
Klar und deutlich.
Du bist sterblich. So etwas kann nicht werden.
Sowas könnte aber werden! Liebe macht doch alles möglich, so ist es doch.
Dazu muss die Liebe bestehen.
Ein Ausdruck des Verletzt-Seins.
Warum machst du das immer! Das hättest du doch wirklich freundlicher sagen können!
Zu welchem Zweck? Es hätte dir erneut die Gelegenheit zur Missinterpretation gegeben.
Ein verächtliches Schnauben und das Verschränken von Armen.
Miss-! Von wegen! Was soll denn daran falsch zu verstehen sein, wenn du meine Kampfart lobst oder mir Komplimente dazu machst, wenn du mich sogar als mutig und heldenhaft für einen Menschen bezeichnest, oder: Wenn du mich auf ein verdammtes Pferd hievst!!
Schweigen. Ein gleichgültiger Blick.
Du hättest das nicht tun müssen, eh! Du hättest mich da krepieren lassen können, und ich bin mir sicher – du kannst mir nichts anderes erzählen! – dass du mich gleich zu einem Teil geheilt hast und ohne das hätte ich nie den Hauch einer Chance gehabt! Also bin ich dir wohl doch nicht ganz so egal wie du gern hättest.
Der gleichgültige Blick bleibt bestehen.
Ich lasse einen Adan nicht sterben, wenn ich es verhindern kann.
Pfft, ja, red dir das nur ein…
Ihm wird angesehen, dass er sich nicht mehr gegen das Wahrhaben sträuben kann.
…Du hättest ja aber auch mal an meine Gefühle denken können.
Du verstehst dich selbst nicht.
Verwirrung, in gewissem Sinne Bestätigung der Aussage.
Was meinst du jetzt damit?
Du sprichst von Liebe. Du liebst mich nicht. Ich kann es in deinen Augen sehen.
Oh, bedauerst du es?
Hoffnung.
Nein.
Erschütterung.
Auch das hättest du freundlicher sagen können!
Du streitest es nicht ab.
Huh? Oh, ach… Warum ist denn das, was ich fühle, nicht auch Liebe? Wie soll das denn auseinandergehalten werden, geht doch gar nicht.
Ausweichend, nicht festlegend. Sich dessen bewusst, dass es, wenn überhaupt, nur Lust ist.
Für die Eldar ist es anders.
Ah. Ja, klar. In allem etwas Besonderes.
Eine Pause.
Er schnauft leise.
Ist das nun geklärt? Das Thema ermüdet mich. So sagt man es doch in eurer Sprache, oder nicht?
Mürrisch.
Ja, kann man wohl so sagen, was weiß ich…
Kurzes Schweigen.
Wir brauchen noch immer einen Plan.
Ja, das ist mir schon klar! Lass mich doch mal meine Gefühle verarbeiten, wenn du sie schon alle ablehnen und runterreden musst!
Er seufzt.
Na schön. Also, du sagtest, du kennst dich mit den Pässen aus. Dann erzähl mal.
Wir können den Hohen Pass nehmen und danach dem Anduin folgen. Wir können den Pass über das Caradhras nehmen. Wir können über Enedwaith und Dunland zur Pforte von Rohan gehen.
Warte mal! Ich hab auch von einem Schwertelpass gehört, was ist damit?
Den nehmen wir nicht.
Ernst. Endgültig.
…Na schön, gut. Hm… Oh! Aber warum müssen wir uns denn mit dem Gebirge abquälen! Haha! Wie wäre es, wenn wir-
Sich einer hervorragenden Idee sicher.
Nein.
In seiner Begeisterung gestoppt.
Hä? Was, nein?
Du willst unter dem Gebirge einen Weg gehen, den wir nicht gehen werden.
Aber das ist doch hier aufgezeichnet! Möglich ist es doch, oder ist es etwa nicht? Ich hab gehört, dass es möglich ist.
Es ist nicht möglich.
Hmpf. Dann ist es halt eben nicht möglich. Hm…
Er betrachtet die Karte.
Wir sind sowieso in Eregion unterwegs, wozu also wieder zurück nach Bruchtal und einen der Pässe nördlich von dort nehmen… Hm… Rohan… Rohan im Winter? Hm…
…Es gäbe die Möglichkeit, vom Rothornpass aus zu dem goldenen Wald zu gehen, jedoch-
Ah! Ja, lass uns doch das machen! Du bist eine Elbin, also werden sie uns doch sicher nicht rauswerfen, oder? Ha! Ja, lass uns diesen Weg gehen. Ja, das ist gut, das ist…
Er verfolgt den Weg auf der Karte und setzt zum Einzeichnen an.
Er zögert. Er blickt auf, verlegen grinsend.
…Würdest du wohl so freundlich sein, ehhh… und…
Sie zeichnet wortlos den Weg ein.
Er hebt die Karte hoch und betrachtet diese begeistert.
Oh! Oho, hervorragend schaut das aus, oh, ja, ja, den Weg, den nehmen wir! Nichts geht über einen gut durchdachten Plan, jaha!
Du nimmst die Sache zu leicht. Es gibt viele Gefahren auf dem Weg.
Ach, Gefahren gibt es auf jedem Weg. Gefahren gibt es auch in Bree! Deshalb versteck ich mich aber noch lange nicht unter einem Gasthaustisch mit einem Krug Bier!
Er lacht.
Sie faltet die Karte sorgfältig zusammen.
Hah. Nach diesem ganzen Gerede von vorhin, das hat mich richtig runtergezogen. Zum Glück habt ihr Elben Ahnung von Wein! Los, lass uns zum Abend essen! Und sitz diesmal nicht wieder so einfach rum! Man sollte doch meinen, dass du dich bei Elben wohler fühlst, aber irgendwie…
Das soll nicht dein Belang sein.
Ich wünschte, es wär mein Belang…..
Er grinst sie vielsagend an.
Hör auf damit. Hör endlich auf damit.
Sie wirkt ausgelaugt.
Hehe, jaja, ist ja gut, war doch nur ein Scherz! Weißt du, wenn ich ehrlich sein soll – und wenn du so gemein zu mir bist, bin ich es auch einfach mal – die Elben hier sind viel liebenswürdiger als du.
Eine Pause. Er spricht weiter.
Die sind wenigstens fröhlich und reden überhaupt mal miteinander! Und du hockst nur allein für dich rum. Hmpf. Willst nichts mit deinen Freunden zutun haben. Hast noch nicht einmal Wein mit uns getrunken!
Dies ist also der wahre Grund seiner Aufregung.
Und ich werde es auch in Zukunft nicht tun.
Haha, sag niemals nie, so heißt es doch so schön! Irgendwann werden wir noch alle zusammen ordentlich feiern. Spätestens bei den Menschen! Hehe!
Er geht mit einem breiten Grinsen, ein Kneipenlied anstimmend. Sie verlässt den Raum nach ihm und schließt die Türen.

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Themenstarter Veröffentlicht : 13/09/2021 2:56 pm
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